Alchimie, Mensch und Umwelt

Alchimie

Die Alchimie war im Mittelalter und in der Neuzeit eine derart bedeutende Wissenschaft, daß ihr sogar einer, der eher als Theologe bekannt ist, nämlich Thomas von Aquino, einige Bücher gewidmet hat. Er war ja auch Schüler des berühmten Albertus Magus.

Thomas meint allerdings, daß das Gold, das die Alchimisten erzeugt hatten, nicht unbedingt die Eigenschaften natürlichen Goldes hatte.

Die Bemühungen, mit der Goldmacherei reich zu werden, kosteten manchen Alchimisten das Leben, denn das Arbeiten mit der "Prima Materia", dem Roten Löwen u. ä. war äußerst gefährlich. (Die Sprache der Alchimisten war etwas Geheimes, Verschlüsseltes, damit nicht jedermann damit Mißbrauch treiben sollte. Noch heute sind sich die fachkundigen Leser der alten Rezepte nicht ganz klar, was hinter diesen geheimnisvollen Begriffen steht. Die Prima Materia wurde oft aus uralten Kloaken bezogen, der Rote Löwe war eine Substanz, die man zur Umwandlung darüberstreute.)

Die alten Scheidekünstler schieden reine Metalle aus Gesteinsverbindungen, wie sie in Bergwerken gewonnen wurden. Ihre Gerätschaften dienten auch den Alchimisten, die aus Gründen der Bereicherung aus unedlen, billigen Metallen das teure Gold herstellen wollten. Die Rezepte dafür stammten jedoch aus einer westlichen Mystik: So wie der unedle Mensch zum edlen transformiert werden sollte, so das unedle Blei oder Quecksilber zu Gold. Alchimie war primär eine Art westlicher Einweihungslehre: Indem der Alchimist äußerlich in Geduld übte, in Selbstbeherrschung und in anderen notwendigen Tugenden, und ihm so äußerlich der Stein der Weisen gelang, so wurde er innerlich zu "Gold", dh. vollendet.

Wie ein Buddhist jahrelang sitzt und meditiert, um zum selben Ergebnis zu gelangen (zur "Erleuchtung", zur Vollkommenheit), war es für den Alchimisten die Kunst, das Feine vom Groben zu scheiden und die Materie zu verfeinern und zu transmutieren wie sich selbst.

Gelesen hatten die Alchimisten vor allem ein Werk, das alle Weisheit zum Goldmachen zu enthalten versprach: die Tabula Smaragdina des Hermes Trismegistos.

Viele, viele geheimnisvolle Bücher entstanden. Für den ernsthaften Mysterienschüler war das Hauptprodukt dieser chemischen Arbeit die Erringung des Steins der Weisen, einer Substanz, die nicht nur jedes Metall in seine edelste Form, in Gold verwandeln konnte, sondern auch jede Krankheit heilte und dem Anwender ewiges Leben zu verleihen versprach.

Neben der Chemischen Alchimie, die auch zu so profanen Zwecken wie der technischen Metallabscheidung diente und schließlich bekannterweise zum Schießpulver und zur Entdeckung vieler chemischer Stoffe führte, gab es die freimaurerisch-rosenkreuzerisch-magische Alchimie. Ein einziger Prozeß, mit Hilfe der Prima Materia, einem unedlen Metall und einigen geheimen Zutaten Gold zu erzeugen, dauerte Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, in denen der Alchimist an sein Labor und die kochenden Tiegelchen gebunden war. Oft endeten die harten Mühen mit einer plötzlichen Explosion und dem Tod des Adepten.

Haben Sie daher bitte Verständnis, daß wir hier noch im Arbeiten sind und es uns möglicherweise nicht gelingen wird, während dieser Ausstellungszeit das Werk zu vollenden und Ihnen das transmutierte, gediegene Gold zu präsentieren.
 

Ein Blick in die Alchimistenstube (Gestaltung: F. Fortner, S. Sprenger, J. Conka, E. Meralla. Der Raum musste leider bei der Renovierung des BRG Kepler aufgegeben werden)

Die Gelehrtenstube Das Alchimistenlabor

Mensch und Umwelt im Mittelalter

1. Europa war im Mittelalter wesentlich dünner besiedelt, um 1300 lebten ca 73 Millionen Menschen, 90% der Siedlungen hatten unter 2000 Einwohner, in den größten Städten lebten höchstens 30000 Menschen.
Nachrichten über Hungersnöte, Seuchen und Krankheiten zeigen die Abhängigkeit vom Lebensraum, die Umwelt wurde kaum verändert.
Die geistige Einstellung zur Natur war anders als jetzt, die Menschen fühlten sich der feindlichen Umwelt unterlegen.

Umweltveränderungen erfolgten nur über Nutzung der Wälder, es entstand eine totale Abhängigkeit vom Holz durch das Bedürfnis nach Herd- und Ofenwärme.
 

2. Durch den erfolgten Raubbau kam es 1359 zum ersten Mal zu Aufforstungsmaßnahmen und auch Nachzucht und Eichelaussaat. Außerdem wurden Waldweider verboten.
Die ersten Versuche zu Ver- und Entsorgungseinrichtungen in den Städten betraf die Wasserversorgung : mittelalterliche Städte wurden überwiegend durch innerstädtisches Grund- und Quellwasser versorgt.
Den größten Anteil hatten private Grundwasserbrunnen.
Auf 300 Einwohner kam ein Brunnen (Ziehbrunnen, Schöp- und Laufbrunnen).

In Graz gab es bis 1870 nur private Hausbrunnen ohne Qualitätskontrolle.

Es bestand ein gravierender Zusammenhang zwischen Infektionskrankheiten und Beseitigung privater und gewerblicher Abfälle .

Vorschriften nach Verursacherprinzip: die Beseitigung sollte möglichst auf dem eigenem Grundstück erfolgen (Aschengruben und Müllschächte). Untersuchungen von mittelalterlichen Mistgruben durch neuere Grabungen (z.B. in Linz) geben mehr Aufschluss über das Alltagsleben.
Mikroparasiten sind nicht mehr nachweisbar, Makroparasiten wie Wurmeier, scheinen für Rekonstruktion von Umwelt und Lebensbedingungen geeignet. Spulwürmer, Madenwürmer und Peitschenwürmer gelangten über kopfgedüngtes Gemüse oder den Kontakt mit dem Erdboden zum Menschen zurück und führten zur Wiederinfektion. Bandwürmer wurden über schlecht gekochtes Fleisch übernommen.

Zur persönlichen Hygiene wurden Heulappen, Gras und Blätter verwendet, Mooszöpfe und Wasserkrüge waren weitere Utensilien zur Körperhygiene.

In eng verbauten Gassen wurden erste Kanalanlagen errichtet, diese waren Rinnen mit Steinplattenabdeckung, der Entsorgungsstandard war in den einzelnen Stadtvierteln sehr unterschiedlich.
Diese Maßregel scheint man für insbesondere wichtig gehalten zu haben, und da dieselbe wahrscheinlich lässig in Vollzug gesetzt worden war, so erließ die Regierung am 29. September 1552 einen "Additional - Artikel " zur Infektionsordnung, in welchem die Art der Ausführung genau beschrieben und gegen die ‹bertreter das Strafausmaß ausdrücklich festgelegt war, nämlich das erste Mal eine Pönale von 1000, das zweite Mal von 2000 Mauerziegeln; das dritte Mal soll der Schuldige " am Leib gestraft werden hertiglich und unablässig".

3. Ein wesentlicher Faktor war die Ernährung der Jugend, die Nahrungsbestandteile beeinflussen die Körpergröße, wobei Gerste und Hafer viel höher eingestuft wurden als Roggen und Weizen. Hochwertiges Eiweiß begünstigt das Längenwachstum, wobei ein Eiweißüberschuss nicht mehr förderlich ist, eine Mangelernährung in der Kindheit kann später nicht mehr ausgeglichen werden.

-> Keplers Angst vor Krankheiten