Kalender

Woher stammt das Wort "Kalender"?

Im alten Rom versammelte sich bei Neumond das Volk, um den Ausführungen des Priesters beizuwohnen. Bei dieser Gelegenheit gab er bekannt, ob die Nonen auf den 5. oder 9., die Iden auf den 13. oder 15. Tag des Monats fielen. Diese Tage wurden "calendae" (calare = ausrufen) genannt - darauf geht das Wort Kalender zurück.

Das Problem jedes Kalenders ist, dass ein Umlauf der Erde um die Sonne (=1 Jahr) kein ganzzahliges Vielfaches einer Eigendrehung der Erde ist (1 Tag). Unser Sonnenjahr hat im Mittel eine Länge von 365 Tagen, 5 Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden. Da man nur mit ganzen Tagen rechnen wollte, behalf man sich mit dem Einschub von Schalttagen.

Die bekannteste Kalenderreform in der Antike war die Julius Caesars, der im Jahr 46 v. Chr. die Zeitrechnung neu ordnete. Diese Kalenderreform hatte aber doch einen kleinen Fehler an sich, und so ging der Kalender alle 128 Jahre um einen Tag falsch. Dies summierte sich im Laufe der Jahrhunderte.

Im 16. Jahrhundert tat Papst Gregor XIII. den notwendigen Schritt, indem er 1582 zehn Oktobertage ausfallen ließ. Außerdem wurden die Schaltjahre neu geregelt. Der Kalender erreichte somit eine wesentlich größere Genauigkeit -es wird erst im Jahre 4912 eine Differenz von einem Tag geben.

Weltweit fand der Gregorianische Kalender erst im unserem Jahrhundert Anerkennung - die Volksrepublik China übernahm ihn beispielsweise erst 1949.

Auch in Europa breitete sich die Kalenderreform erst allmählich aus. Im Gegensatz zu den katholischen Ländern behielten die protestantischen noch bis 1700 den Julianischen Kalender bei.

Die Kalender des Johannes Kepler

Johannes Keplers erste Anstellung in Graz als Landschaftsmathematiker beinhaltete die Pflicht, jedes Jahr einen Kalender herauszubringen. Aus dem protestantischen Württemberg kommend, musste er sich binnen kurzer Zeit auf die für ihn neue (Gregorianische) Zeitrechnung einstellen. Er brachte im Laufe seines Lebens insgesamt 17 Kalender heraus, davon sechs in Graz (in ununterbrochener Reihenfolge von 1595 bis 1600). Von diesen Grazer Kalendern blieben nur drei erhalten.

Diese "Schreibkalender" waren ein Verbrauchsgut, sie dienten für Notizen und wurden üblicherweise nach Ende eines Jahres weggeworfen. Ihr Aussehen ähnelte den noch heute verlegten "Bauern-" oder "Mandl-Kalendern". Jeder Monat erschien als eine eigene Seite in Tabellenform. Die Spalten enthielten des Tagesdatum, das regierende Tagesgestirn, den Namen des Tagespatrons und eine Spalte mit astrologischen Vorhersagen, die sich auf Wetter, Gesundheit und Landwirtschaft bezogen: So gab es gute oder schlechte Tage für das Aderlassen, Schröpfen oder für Bäder, für das Entwöhnen von Kleinkindern, ebenso für das Pflanzen, Säen und Ernten oder für das Fällen von Holz. Die vier Bilder jeder Kalenderseite bezogen sich auf die Sonntagsevangelien.

Neben den Monatsblättern enthielten die Kalender der frühen Neuzeit "Praktika", das waren astrologische Befunde und Vorhersagen, etwa über die Einflüsse der auftretenden Sonnen- oder Mondfinsternisse auf Witterung, Krankheiten, Kriege etc. Auch Johannes Kepler erstellte solche Praktika - und hatte bereits mit seinen ersten Vorhersagen Glück:

 

"Der Kalender trifft übrigens bisher richtig ein. Es herrscht eine unerhörte Kälte in unserem Lande. Von den Sennen in den Alpen sterben viele an Kälte. Manchen geht, wie als sicher erzählt wird, wenn sie zu Hause angelangt sind, beim Schneutzen die Nase weg; die von der Kälte berührten Glieder gehen in Fäulnis über. Der Türke hat dieser Tage, da ich Euren Brief erhielt, die ganze Gegend unterhalb Wiens bis Neustadt durch Brandschatzung verwüstet, Menschen und Beute fortgeschleppt. Das ist die Flucht, von der ich in meinem Kalender flehentlich gewünscht habe, sie möge sich nicht im Winter ereignen."

(Über den Grazer Schreibkalender auf das Jahr 1595)

 

Jedoch hielt Kepler selbst nicht allzu viel von solchen Vorhersagen, sie waren ihm ein notwendiges Übel, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Andererseits glaubte er durchaus an Einflüsse der Gestirne auf Menschen und versuchte Zeit seines Lebens die Astrologie auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen, indem er die Einwirkungen auf Planetenstellungen zurückführte, die harmonischen Intervallen der Tonleiter entsprechen.

 

Die historischen Wurzeln der Zeitrechnung können wir noch heute an den Namen und der Anordnung der Wochentage erkennen.

 

Anordnung:

Man teilt einen Kreis in sieben Teile und schreibt jedem Punkt einen der Planeten in der Reihenfolge des Geozentrischen Systems zu. Verbindet man diese Punkte durch gerade Linien in der Reihenfolge, die durch die entsprechenden Wochentage gegeben ist, so entsteht ein regelmäßiger siebenstrahliger Stern - ein altes magisches Symbol

Die sieben Wochentage entsprechen den sieben Planeten des Geozentrischen Weltsystems bzw. alten Gottheiten