Entwickelt (nach dem Vorbild Dürrenmatts
"Physiker) und Aufgeführt von der Theatergruppe des BRG Kepler unter der
Leitung von Gertraud Mocharitsch, 1994.
1. Prolog: Im Himmel
2. Keplers Mutter wird als Hexe angeklagt
3. Galilei
4. Ein Disput in der Kirche
5. Einstein und Teller
6. Die Bombe
7. Schlußszene: Im Himmel
Managerin: Wissen Sie, daß mein Konzern auch
an der Produktion dieses Softdrinks beteiligt war?
Engel: Sie hatten Ihre Finger wohl überall
im Spiel!
Managerin: Meine Fabrik für chemische High-Tech-Waffen
hat auch dafür die Geschmackssubstanzen hergestellt.
Engel: (Wendet sich ab und trägt die Gläser
weg)
(Spot auf anderes Tischchen - Kepler und Galilei)
Einstein: (kommt dazu) Wissen Sie, was die der Menschheit angetan hat?
Kepler: Ah, natürlich, dieses dumme Weib!
Ja, sie hat die Schöpfung Gottes durcheinandergebracht. Der Mensch
war dazu geschaffen, in die große Weltenharmonie einzustimmen!
Und dieses Weibsstück in ihrer Geldgier hat alles
zerstört ......
Galilei: So ist es! Ihretwegen ist die ganze Erde kaputt! Der Homo Sapiens, das einzige vernunftbegabte Wesen, ist ausgestorben - und diese Zynikerin trinkt hier seelenruhig Ihren Kaffee!
Engel (nachdenklich, langsam): Die drei
machen sich's leicht! Erfinden Dinge, die die Welt verändern, und
jetzt, wo alles anders geendet hat, als erträumt, suchen sie die SCHULD
bei irgendwelchen anderen Leuten........
(konzentrierter, zum Publikum): Übrigens, haben
Sie diese Sonderlinge erkannt? Das waren (ausholende Handbewegungen): Albert
Einstein, Galileo Galilei und Johannes Kepler! Und gerade der Kepler müßte
doch besonders damit aufpassen die Schuld so einfach der nächstbesten
Frau zuzuschreiben! Oder hat er am Ende den Hexenprozeß vergessen,
durch den seine eigene Mutter um ein Haar am Scheiterhaufen gelandet wäre?
Garten vor dem Haus der Katharina Keppler, Johannes Kepler ist zu Besuch
Mutter: Das ist dann immer schlimmer geworden.
Jetzt redet schon halb Leonberg. Die Leute weichen mir aus...
Kepler: Ach was, Weibsvolk.
Mutter: Ich muß aber hier leben.
Kepler: Man sollte ihnen die Sprache verbieten!
Der Pöbel braucht immer ein Opfer.
Mutter: Und jetzt will man mich gar verhaften.
Kepler: Wo steht eigentlich die Obrigkeit?
Mutter: Der Vogt, ein übler Kumpan, ist ganz
und gar gegen mich. Ich glaube, er hat einmal mit der Reinholdin etwas
...
Kepler: Aber Mutter! Verdächtige nicht haltlos,
denn dann stellst Du Dich auf eine Stufe mit diesem Gesindel. Komm doch
zu mir, nach Linz!
Mutter: Johannes, Du mein ältester Sohn.
Verstehst Du mich denn nicht mehr? Ich bin nun über siebzig Jahre
alt, das Reisen ist beschwerlich. Einen alten Baum reißt man nicht
aus, ich bin hier verwurzelt.
Kepler: Ich weiß, Du hast die Natur immer
geliebt.
Mutter: Die Gräser und Kräuter, die
Büsche und Bäume, sie sprechen mit mir, sie schenken mir ihre
Heilkraft. Ich lebe mit ihnen in Harmonie!
Kepler: Ich weiß, Mutter. Übrigens,
ich arbeite an einem Traktätl - ein Traum über eine Reise zum
Mond. Darin kommst Du vor!
Mutter: Oh ... das freut mich!
Kepler: Bezüglich der Harmonie kam ich nach
Dir! Ich höre die Gestirne, verstehe ihre Sprache.
(Die Reinholdin geht am Garten vorbei: aufgeputzt, affektiert)
Mutter: (leise) Die Reinholdin!
Kepler: Das ist sie?
Mutter: Ja!
Kepler: (laut) He! Sie da! Weib! (sie
geht weiter, Kepler springt auf) Bleibt stehen! Und wiederholt hier
vor mir Eure Anschuldigungen!
Reinholdin: Wer seid Ihr denn, komischer
Kauz?
Kepler: (mit höflicher und etwas selbstgefälliger
Verbeugung) Johannes Kepler, kaiserlicher Hofastronom zu Linz. Geht
Ihr gegen meine Mutter vor, so bekommt Ihr es mit mir zu tun!
Reinholdin: (interessiert) Schau, schau!
Nun ... sie hat mir einen bösen Trank gebraut. Zwei Wochen lang war
ich ganz, ganz übel.
Kepler: Ist das alles?
Reinholdin: Ich kann nicht mehr schlafen. Sie
verhext mich.
Mutter: (springt auf) Lüge! Sie ist
mir feindlich gesonnen, weil sie glaubt, ich hätte ihre Männergeschichten
unters Volk gebracht!
Reinholdin: Alte Vettel, halt dein loses Maul!
Mutter: Schandweib!
Kepler: Mutter! Mäßigt Euch, ihr Frauen.
Laßt uns versuchen, die Vorwürfe zu klären.
Reinholdin: Meine Nachbarin sagt auch, daß
sie eine Hexe ist. Als ihre Tochter bei dieser Frau vorbeiging, bekam sie
Angst, Beklemmung, und weinte.
Mutter: Freilich, weil ihr schon eingeredet war,
daß ich ein böses Weib sei.
Reinholdin: Ihr braut allerlei Tränke und
Tinkturen, habt Blumen im Winter.
Mutter: Die Natur ist mein Freund.
Reinholdin: Nur die Medizin hat das Recht, Krankheit
zu heilen!
Mutter: Ich habe das von meiner Mutter. Seit Generationen
pflegen wir diese Kunst.
Reinholdin: Nur der Medicus darf ...
Mutter: Mit dem habt Ihr es doch auch getrieben,
ich weiß es!
Reinholdin: Also .. Ah, mein Kopf Sie verhext
mich schon wieder!
Kepler: Aber ...
Mutter: Lüge! Alles Lüge!
Reinholdin: Sie hat den Teufel im Leib! Ah, mein
Kopf!
Mutter: Verschwinde, ekelhafte Kreatur!
Reinholdin: Hexe! Hexe!
Kepler: Verlaßt auf der Stelle diesen Ort,
eingebildetes, verleumderisches Weib! (Zu seiner Mutter) Kommt,
Mutter, gehen wir hinein. ... (sie gehen ab)
Reinholdin: Wir sprechen uns vor Gericht! Hexe!
Hexe! (geht ab)
(auf der leeren Bühne hört man noch von fern die Hexenrufe )
Herold:
Urteil: In Rechtfertigung unseres gnädigen Fürsten
und Herrn, Anwalts und Klägers, Johann Friderich, Herzog zu Württemberg,
gegen Katharina Kepplerin von Leonberg, Beklagte, ist nach geltenden Gesetzen
zu Recht erkannt: Die Beklagte soll zur Erlernung gründlicher Wahrheit
peinlich gefragt werden.
Es hat zwar der Anwalt wider die Verhaftete allerhand
beschwerliche Indizien artikuliert und deduziert und vermeint, es solle
die Tortur exekutiert werden. Selbige sind aber zum Teil nicht genügend
erwiesen, und ist die Beklagte ihres Alters über siebzig Jahr. Sie
soll an den zur Tortur bestimmten Ort geführt werden, ihr auch allda
die Instrumente fürgezeigt und damit ernstlich gedroht, jedoch nicht
angegriffen, angefesselt oder gar aufgehänget, noch sonstwie gemartert
werden. Wenn sie sich im christlichen Glauben standhaft zeigt und genügend
versichert, ist sie alsdann von statten zu lassen.
Der göttlichen Allmacht uns damit allerseits treulich
befehlend, den 10. Septembris anno 1621.
(Blackout)
Engel: Na, haben Sie gesehen, wohin derartig voreilige Beschuldigungen führen? Hexen waren ja ein heißes Thema zu jener Zeit, und haben die Phantasie so mancher ganz schön angeheizt!
Aber....man möchte es kaum glauben: Auch simple......Holzkugeln waren imstande die Weltgeschichte, und damit auch die Schuldgeschichte voranzutreiben...........
Galilei: (schon wieder auf der Leiter mit seinen
Kugeln) Pst! Passen Sie auf, passen Sie auf! Läßt seine
Kugeln abermals fallen. Jaaaa!!!!! Haben Sie das gesehen. (Reibt sich
die Hände) Na? Was sagen Sie dazu?
Peripathetiker: Ich habe zwei Kugeln auf den Boden
fallen gesehen. Ich wüßte nicht was daran so besonderes sein
soll. Aber ich habe Sie gefragt, wie Sie ........
Galilei: (langsam und bedeutungsvoll) Sie
haben zwei Kugeln unterschiedlicher Massen zur selben Zeit aufprallen gesehen!
Dies widerspricht dem aristotelischen Fallgesetz, nach welchem verschiedene
Massen verschiedene Fallgeschwindigkeiten besitzen. Geben Sie vor mir und
dem Kollegium doch endlich zu, daß Aristoteles nichts weiter war,
als ein schlechter Beobachter der Natur.
Peripathetiker: Sagen Sie bloß, dieses Experiment
funktioniert auch mit drei Kugeln!
Galilei: (verdutzt) Mir scheint, Sie haben
die Geschichte noch nicht recht verstanden?
Peripathetiker: Ach Professor! Sie werden sich
noch in große Schwierigkeiten stürzen! (im Abgehen):
jaja, große Schwierigkeiten, sehr große Schwierigkeiten!
Galilei: (zu sich selbst) Schwierigkeiten?
Weil ich der Wahrheit auf der Spur bin?
(Licht langsam aus)
Engel: Und damit war das Spiel mit den unheilvollen Holzkugeln natürlich noch lange nicht zu Ende! Unsere beiden Herren Kepler und Galilei haben sich intensiv der Frage zugewandt "Wer dreht sich im Universum um wen? Ja genau genommen - wer DARF sich um wen drehen? Und....... wer oder was bestimmt darüber........?"
Kepler (tritt auf. Geht gemessenen Schrittes neben ihn und beginnt ebenfalls zu beten. Dann sehen die beiden einander ann)
Kepler: Seid mir gegrüßt!
Dominikaner: Kepler! Johannes Kepler - welche
Freude! Ich ...
(sie begrüßen sich)
Kepler: (emphatisch) Freund! Ich muß
es Euch sagen! Endlich, nach langer Suche, habe ich den Plan des Schöpfers
entziffert. Das Geheimnis des Universums, es ist gelöst!
Dominikaner: So?
Kepler: Ja, in der Tat! Nach der Idee der
Harmonie hat Gott die Welt geschaffen, kosmische Sphärenklänge,
ein ständiger Gesang der Planeten, der unsere Seelen tanzen läßt
...
Dominikaner: Ach Kepler! Wacht auf! Ihr seid ein
unverbesserlicher Träumer. Wendet Euer Auge dem Irdischen zu - wo
bleibt da die Harmonie? Wie können Sie so etwas sagen in einer Zeit,
in der Christen gegen Christen kämpfen, Katholiken gegen Protestanten,
Brüder gegen Brüder....
Kepler: (leidend) Ach! Dieser sinnlose
Krieg!
Dominikaner: Von euch Protestanten angezettelt!
(Sie wenden sich wieder nach vorne und schweigen.)
Kepler: (resignierend) Ach. Wenn nur die Menschen sich mehr mit dem Fernrohr beschäftigen würden als mit dem Schwert. Die Klänge der Sphären ...
(Polternd tritt Galilei auf)
Galilei: Sphärenklänge? Ihr müßt
Kepler sein! Gestatten - Galileo Galilei.
Kepler: Ich grüße Euch, edler Mitstreiter
im Kampf um die Wahrheit!
Dominikaner: Galilei - ich habe Euch schon erwartet!
Bringt Ihr Neuigkeiten?
Galilei: Und ob! Mit meinem neuen Fernrohr habe
ich entdeckt, daß unsere Sonne mit dunklen Stellen behaftet ist.
Dominikaner: Nun - diese Flecken habe ich bereits
vor zwei Monden gesehen.
Galilei: Ach so? Und ich dachte, ich sei der erste
gewesen. Jedoch - gesteht Ihr nun, daß Euer System des Ptolemäus
zu verwerfen ist, mit seinen göttlich ebenmäßigen Himmelskugeln?
Dominikaner: Langsam, Galilei, langsam. Ihr attackiert
schon wieder die Autorität der Heiligen Apostolischen Kirche!
Kepler: Verzeiht, wenn ich mich in diesen Disput
einmische. Vielleicht sind es ...... Lebewesen, die die Sonne bevölkern?
Galilei: Lebewesen? Was für ein Unsinn?
Kepler: Habt Ihr denn nicht mein Buch gelesen?
Galilei: Äh ... nun ja. Ich überflog es. Mit
Verlaub gesagt, es erschien mir ein wenig spekulativ, phantastisch.
Kepler: Doch ich verbesserte darin entscheidend
das System des Kopernikus, das Ihr doch auch vertretet!
Dominikaner: Ja, Ihr seid auch so ein Ketzer!
Aber auch die protestantische Kirche verdammt dieses System.
Kepler: Ich bin Christ. Man kann Gott auch dienen,
indem man sein Werk preist. Durch das System der Weltenharmonie
erstrahlt Gottes Wille in voller Schönheit!
Galilei: Praktischer ist es. Und es ist die Wahrheit.
(Schweigen)
Dominikaner (zu Dominikaner): Eine Wahrheit
ohne den Segen der heiligen Kirche kann keine ganze Wahrheit sein!
Galilei: Beschäftigt Ihr Euch mit dem Seelenheil
Eurer Schafe, betet und singt. Laßt mir die Gestirne, laßt
mir, was meßbar und berechenbar ist. Haltet Euch da raus!
Kepler: Mir scheint, in diesem Punkt geht Ihr
etwas zu weit, Galilei. Ihr könnt doch die Wahrheit nicht trennen
in eine des Glaubens und eine des Wissens. Wo bleibt da die Harmonie des
Kosmos?
Galilei: Ach was Harmonie. Der Kosmos ist eine
Maschine.
Dominikaner: Ihr versündigt Euch! Vorsicht,
Galilei, Ihr werdet noch vor der heiligen Inquisition enden!
Galilei: Pah! Diese Narren ...
(Schweigen)
Dominikaner: Wenn Ihr die Wahrheit trennt, wo bleibt
dann die Verantwortung in Eurer Wissenschaft? Wer sagt Euch, was gut und
rechtens ist, zu erforschen und zu erfinden, wenn nicht die von Gott selbst
eingesetzte Kirche? Ohne sie werden Eure eigenen Erfindungen die Welt in
Feuer und Rauch aufgehen lassen!
Kepler: (spöttisch) Die römische
Kirche ist aber auch nicht gerade zimperlich in der Wahl ihrer Mittel.
Galilei: Was schert mich Eure Moral! Was geht
es mich an, was andere aus meinen Erfindungen machen? Ich erforsche, was
erforschbar ist! Ich erfinde, was ich erfinden kann! Ich mache, was machbar
ist! Dafür lebe ich und davon lebe ich, und nicht schlecht, mit Verlaub!
Dominikaner: Das kann doch alles nur unter einer
Autorität des Glaubens geschehen!
Galilei: Was kann der Schmied dafür, wenn
jemand mit seiner Axt einen christlichen Kopf vom katholischen Körper
trennt?
Dominikaner: Ihr macht das doch gerade! Ihr trennt
das Gehirn von der Seele, den Menschen von Gott, das Handwerk vom Gedanken!
Kepler: Also ich würde sagen, nicht
die kirchliche, sondern die Göttliche Autorität zählt. Was
ich erforsche, erforsche ich zur Ehre und zum Ruhm des Allmächtigen.
Ich spüre seiner Weisheit nach, um ihm zu dienen. Euer Streit stimmt
mich traurig - Ihr habt doch die Sterne geschaut wie ich! Habt Ihr nicht
ihren Gesang vernommen ...
(leiser werdend geht er zum Fenster und sieht zum Himmel)
Dominikaner: Euer Glaube in Ehren, jedoch ...
Galilei: Ja, bleibt nur bei Eurem Glauben, doch
laßt mich arbeiten! Ich werde die Welt verändern, hier, auf
der Erde!
Dominikaner: Besinnt Euch, Galilei!
Galilei: Kirchliches Geschwätz!
Dominikaner: Die Kirche wird noch herrschen, wenn
Eure Wissenschaft längst verkommen ist!
Galilei: Mein Wissenschaft wird diese fetten Kirchenfürsten
dorthin bringen, wo sie hingehören!
Dominikaner: Ich warne Euch! Ich werde berichten
...
Galilei: Ja, plaudert nur ...
(Streitend gehen sie ab, während Kepler noch immer verträumt in die Ferne blickt)
Engel: Na, sind sie nicht sonderbar, diese Menschen?
Für den einen..(geht auf den Platz des Galilei,
nimmt dessen Haltung und Tonfall an)....ist die Obrigkeit die Wurzel allen
Übels.. diese salbungsvollen Pfaffen, die dem Menschen das eigene,
freie und logische Denken verbieten wollen (Galileis Tonfall nachäffend)
...Für den Kepler ...(geht zu ihm hin und nimmt
seine Haltung ein, während er sich mit abwesendem Blick bekreuzigt
und langsam hinausgeht) ....sind es lauter Narren, die die himmlische,
die Harmonie göttliche nicht erkennen können.
Für die anderen (geht auf den Platz, an dem noch
gerade der Dominikaner gestanden ist, und nimmt dessen Pose ein, anklagender
Zeigefinger auf den Platz des Galilei) ... sind die Ketzer schuld, diese
Barbaren, die keine Moral und keine Ehrfurcht kennen.......
Jeder gegen jeden...........
Ja ist denn hier IRGENDJEMAND, (sieht sich im Kreis um,
incl. Publikum) auch FÜR ETWAS?
Vielleicht ein paar Jahrhunderte später........
unser berühmter Herr Professor Albert Einstein:
Einstein: Cordhosen, Pullover, keine Socken, Pantoffel,
Pfeife;
(Einstein brütet über seiner Arbeit. Dienstmädchen
tritt auf.)
Dienstmädchen: Herr Professor ... jetzt arbeiten Sie schon wieder seit vier Stunden! Soll ich Ihnen einen Tee bringen?
Einstein: (versonnen vor sich hin) Tee Quadrat
plus Tee der Dritten, kann er meine Formeln kitten? ...(dann lächelnd
zum Dienstmädchen) Ja, gut, bitte. Aber nur halb durch, medium,
wie der Lateiner sagen würde... (vertieft sich wieder)
Dienstmädchen: Sie werden wohl immer schrulliger
(geht ab)
Einstein: (lacht, und witzel mit erhobenem Zeigefinger,
zuerst ins Publikum, dann hinter ihr her) Auch Schrulligkeit ist relativ.
Der absoluten Schrulle fehlte das Bezugssystem, man könnte sie nur
über eine absolute Un-Schrulle definieren, durch eine Schrullen-Leere,
sozusagen ... (sieht auf) oh, sie ist ja schon fort.
(Steht auf, geht herum, mit sich selbst diskutierend)
Diese verrückten Feldgleichungen... sie wollen einfach
nicht aufgehen. Aber es muß etwas dahinterstecken, eine Ordnung,
eine geometrische Ordnung. Im Großen hat es funktioniert, der Kosmos
ist schön; nur im Kleinen, mit diesen seltsamen Teilchen, die gehorchen
meinen Formeln nicht. Ich bin sicher, ein sinnvoller Zusammenhang besteht,
der Alte würfelt nicht. Er ist wohl auch etwas schrullig... (setzt
sich wieder hin, rechnet)
Dienstmädchen: Herr Professor, Ihr Tee! Und hier ist ein Herr aus New York angekommen. (Stellt das Geschirr hin, geht ab)
Teller: (tritt auf, streckt ihm energisch die
Hand zum Gruß entgegen) Guten Tag, Professor Einstein! Es freut
mich, sie nun endlich persönlich kennenzulernen. Mein Name ist Eduard
Teller, ich bin Physiker wie Sie...
Einstein: (schaut gedankenverloren durch ihn
durch) Teller, Teller, ... habe ich schon einmal irgendwo gelesen.
Teller: (zieht die Hand zurück) Ich
arbeite an der Columbia Universität auf dem Gebiet der Kernforschung.
Einstein: (lächelnd) Sie sehen auch
so ...kernig aus. Sind Sie gar Kärntner?
Teller: Ungar! Ich bin ein Vertriebener wie Sie.
Einstein: (einladende Geste zur Sitzecke, gehen
gemeinsam und setzen sich) Nehmen Sie auch einen Tee?
Teller: Gern.
Einstein: Anna! Anna! Wo sind Sie? (zu Teller)
ihre Raum-Zeit-Koordinate stimmt mit der unsrigen nicht überein ...
Dienstmädchen: Ja, bitte?
Einstein: Bitte noch eine Tasse für unseren
Gast!
Dienstmädchen: Sofort. (geht ab... bringt
eine Tasse)
(Einstein und Teller trinken Tee)
Einstein: Was führt Sie zu mir?
Teller: Ein schwerwiegendes Problem, Herr Professor.
Sie sind ja über den Fortschritt auf dem Gebiet der Kernspaltung informiert
..
Einstein: Na ja.
Teller: ... Es erscheint möglich, ja wahrscheinlich,
daß man eine Waffe damit bauen könnte, eine Waffe von ungeheurer
Vernichtungskraft, etwa eine Bombe aus Uran, die mit einem Schlag eine
Stadt, ja ein ganzes Land zerstören könnte.
Einstein: Moment ... abgesehen davon, daß
mir das eher unwahrscheinlich erscheint, warum sollte man denn so etwas
Verrücktes tun? Haben diese beschränkten Militärs nicht
schon genug sinnloses Spielzeug?
Teller: Das kommt darauf an. Wir entwickeln sie
ja für unsere Seite. Jedenfalls ist es eine tolle Herausforderung,
ich habe bereits zwei Arbeiten geschrieben. (Will sie Einstein überreichen,
der nimmt sie nicht)
Einstein: Sie müssen doch bedenken, was da
herauskommen kann!
Teller: Ich bin Wissenschafter. Mein Job ist es,
zu erforschen und zu entwickeln. Das ist interessant, faszinierend!!! Denken
Sie nur, die Entfesselung der geballten Energie der Atomkerne, wir holen
die Sonne auf die Erde herunter!
Einstein: Und geben diese tödliche Sonne
den Politikern und Militärs in die Hände? (Abwehrende Handbewegung)
Ich will damit nichts zu tun haben. (Steht auf, geht zur Geige)
Können Sie Geige spielen, Herr Teller?
Teller: Bitte? Äh, nein. Ich bin unmusikalisch,
leider.
Einstein: (langsam, träumerisch) Es
gibt einem ein Gefühl für die Harmonie der Schöpfung. Die
Vielheit spiegelt sich in der Einheit wie eine Fuge von Bach in ihrem Thema.
Teller: (eindringlich) Verzeihen Sie, Herr
Professor, aber sehen Sie denn nicht, was in der Welt vorgeht? Die Deutschen
betreiben auch Kernforschung, und da sind brilliante Köpfe beteiligt:
Heisenberg, von Weizsäcker. Übrigens sprach ich noch vor einigen
Monaten mit Weizsäcker, ich kam zu der Überzeugung, daß
sie an der Entwicklung der Uranbombe arbeiten.
Einstein: ( legt entsetzt die Geige weg und
dreht sich zu Teller) Das ... das wäre ja fürchterlich. Wenn
Hitler eine solche Waffe in die Hand bekäme!
Teller: (Geht zu Ihm hin und legt ihm eindringlich
die Hand auf die Schulter) Wir müssen schneller sein, wir müssen
sie zuerst haben! Und wir werden schneller sein. (Tritt selbstsicher einen
Schritt zurück)
Einstein: (geht ihm nach) Ja wollen sie
denn ganz Deutschland auslöschen?
Teller: Die Waffe könnte als Drohung, als
Abschreckung verwendet werden.
Einstein: (setzt sich resigniert) Jedenfalls
wird die Entscheidung bei den Militärs liegen. (mit leichtem Kopfschütteln)
Das macht mir Angst! Was soll ich überhaupt bei dem Ganzen? Kernphysik
ist nicht direkt mein Forschungsgebiet.
Teller: Sie sind eine Berühmtheit, auf Sie
wird man in Washington hören. Wir brauchen Ihre Autorität, um
den Präsidenten zu überzeugen, daß die Erforschung der
Atomkerne massiv unterstützt werden muß! Die Entwicklung einer
solchen Waffe wird sehr teuer sein.
Einstein: Aha. Und wie soll das geschehen? Soll
ich Herrn Roosevelt etwas auf der Geige vorspielen?
Teller: Ich habe hier einen Brief, gerichtet an
den Präsidenten, in dem die Lage erklärt wird. Wenn Sie diesen
unterzeichnen würden...
Einstein: (lehnt sich abweisend in seinem Sessel
zurück) ...würde ich zum Geburtshelfer einer Superwaffe
Teller: (drückt ihm den Brief in die Hand)
Einstein: (liest) ... ich als Pazifist...
hmm ich weiß nicht. (legt Brief wieder weg.)
Teller: Denken Sie an die Nazis! Die werden nicht
zögern.
Einstein: Allerdings. Leider sieht es so aus,
als hätten Sie recht (nachdenklich): Nur - können Sie
verantworten, was dann mit der Bombe geschieht?
Teller: Verantworten muß das der Präsident,
und der ist vom Volk gewählt. Ich bringe das Baby zur Welt, ich bin
sicher, wir können es, wir werden die Ersten sein!
Einstein: Gott steh mir bei. (Unterschreibt)
Teller: Keine Sorge! Der steht auf unserer Seite. Ich danke Ihnen, Herr Professor! (nimmt den Brief an sich)
Einstein: Glauben Sie an Gott?
Teller: Solange er mich nicht bei meiner Arbeit
stört...
Einstein: (wieder begeisterter) Apropos
- wollen Sie einen Blick auf meine Arbeit werfen - die Entwicklung einer
vereinheitlichten Feldtheorie?
Teller: Tut mir leid, es ist schon spät.
Ich muß los!
Einstein: So, so. (geht zum Fenster, sieht
zum Himmel) Sterne, Sonnen. Man blickt in die Vergangenheit.
Teller: Mich interessiert die Zukunft mehr. Äh
... Auf Wiedersehen. (geht ab)
(Einstein bemerkt es nicht, beginnt zu summen)
Dienstmädchen: (räumt das Teegeschirr
ab) Was wollte der Herr?
Einstein: (aus seinen Träumen gerissen)
Er wollte eine Unterschrift. Muß wohl ein Vertreter gewesen sein
(lächelt)
Dienstmädchen: Was verkaufte er denn?
Einstein: Bomben, glaube ich.
(Das Dienstmädchen schüttelt den Kopf, lacht; Einstein summt weiter)
Und hier die aktuellste Meldung: Viele von uns werden
sich um die nukleare Verseuchung nicht zu kümmern brauchen, da vor
wenigen Minuten im Gegenangriff Atomraketen in Richtung Europa gestartet
wurden. Es bleibt der Redaktion und mir nur noch ein letztes Mal auf Wiedersehen
zu sagen, und jenen viel Glück zu wünschen, die es versäumt
haben, ihr Geld in einen Atombunker zu investieren.....
(Der junge Mann springt entsetzt auf und läuft
orientierungslos durch den Raum auf der Suche nach einem Ausweg, den es
offensichtlich nicht gibt. (Flimmerlicht)
Kepler (wendet sich hustend vom Fenster ab)
Galilei: Gibt's was Neues von der Erde?
Kepler: Die Flammen der Unterwelt haben sie verschlungen!
(geht angewidert zum Fernrohr)
Galilei: (geht zum Fenster, schnuppert)
Ausruf des Ekels.
Einstein: (verläßt die Theke, setzt
sich seufzend zur Managerin) Der nukleare Winter hat eingesetzt, es
wird keine Überlebenden geben!
Kepler: Der Mensch, dieser unverbesserliche Narr,
hat es nicht anders gewollt. Aber die Harmonie der Sphären wird nicht
lange dissonant bleiben. Die Schöpfung Gottes wird sich wieder ordnen,
auch ohne den Menschen.
Einstein: Tiere und Pflanzen wird es ja bald wieder
geben, aber.....
Managerin: (springt auf, rennt zum Fenster)
Anstatt hier herumzustreiten, könnte doch jemand endlich das Fenster
zumachen! Die reinste Stinkbude ist das da unten! Wollt ihr diesen Raum
hier auch noch verpesten?
Galilei: Sie scheint das Ganze wohl nicht sehr
zu kümmern?
Managerin: Mich? Ich bin ja nicht schuld and der
ganzen Sauerei.
Galilei: Ohne ihren Waffenkonzern wären die
Raketen nie gebaut worden.
Managerin: Ich habe keine Entscheidungen
getroffen. Oder hab ich vielleicht den Abschußbefehl erteilt?
Galilei: Und wer ist ihrer Meinung nach schuld?
Managerin: Na ihr drei! Ihr habt Euch das alles
ausgedacht! Es ist alles auf Eurem Mist gewachsen! Besonders der da! (zeigt
auf Einstein)
Galilei: Wie können Sie so etwas sagen? Haben
Sie keinen Respekt vor dem größten Wissenschaftler, der je....
Einstein: Lassen sie sie, Galilei, lassen sie
sie. Sie hat vielleicht recht. Wir hatten eine schwere Verantwortung zu
tragen, jeder von uns. Sie, ich, Kepler....
Kepler: (am Ferngkas, beiläufig:)
Ich bin nicht schuld!
Galilei:Ich verstehe Ihre Gedanken nicht, ehrwürdiger
Einstein! Ich trachtete nach der reinen Wahrheit, die die Menschen aus
der Unterdrückung autoritärer Borniertheit befreien sollte! Befreien,
hören Sie!
Einstein: Euer Idealismus in Ehren,Galilei: ,
auch ich war Pazifist. Nun stellt sich aber die Frage: Waren unsere Erkenntnisse
der Menschheit zumutbar?
Kepler:Waren sie nicht!
Galilei: Herr Kepler:, Ich muß mich doch
sehr wundern!
Kepler: Der Mensch war nicht reif. Und er wäre
es wohl auch nie geworden. Er hat sich von Gott entfernt, wie eine herabfallende
Frucht. Ohne den nährenden Stamm aber mußte er verdorre, wie
eine Feige im Sonnenlicht. (Pathetisch): Und frei am Boden liegend
mußte er von Ungeziefer zerfressen, von mächtigen Tieren zerstampft
werden.
Galilei: Ich möchte ihren Zynismus verstehen
Kepler:, entsteht er doch aus ihrer tiefen Enttäuschung, und auch
ihre Resignation ist berechtigt, ehrwürdiger Einstein....Auch ich
kann mich einer gewissen Trauer nicht erwehren.......
Managerin: Bla Bla Bla Trauern Sie doch nicht
über etwas, das es nicht mehr gibt - das es nie in dieser Form gegeben
hat! (selbstdarstellend) Der Mensch war habgierig und egoistisch,
ihr wart nur die Dummen.
Kepler: Mit dieser Person rede ich nicht. (wendet
sich wieder dem Fernrohr zu)
Galilei: Und das sagt uns eine Frau, die uns und
sich selber mit ihren eigenen Waffen ins Grab gebracht hat!
Managerin: Ach was - kleiner Fehler in der Taktik!
Aber Ihr seid die wahren Verlierer! Ihr, mit Eurer Hoffnung den Menschen
die Augen zu öffnen. Ihr schwelgt ja noch immer in Euren Träumen.
Kepler (ätzend) Da muß ich ihr
recht geben! Hätten sich die Menschen mehr den Sternen und Gott zugewandt....
Galilei: Hören Sie mit Ihren Hirngespinsten
auf, Kepler!
Managerin: Da haben wir's: Ihr seid Euch ja nicht
einmal untereinander einig!
Einstein: Ich glaube, wir sollten das Thema jetzt
ruhen lassen.
Galilei: Gut. Dann können wir uns ja weiter
über Ihre Feldtheorie unterhalten, ehrwürdiger Einstein. Mein
Wissensdurst ist nicht zu stillen!
Einstein: Ich bin gerne dazu bereit, Galilei.
Sie werden aber verstehen, daß ich zuvor noch ein wenig auf meiner
Geige spielen möchte nach dieser anstrengenden Unterhaltung. (Geht
zu seiner Geige)
Galilei: Aber gewiß doch. (Black).